Theaterwochenende 2012

Freitag, 24.02.2012 - Jung & Young
Samstag, 25.02.2012 - Rühmann & Rühmann und Band
Sonntag, 26.02.2012 - Tante Julia und der Kunstschreiber


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Nach zwei Jahren haben wir es nun endlich geschafft, wieder einmal zu dritt nach Zollbrücke zu fahren. Es war das erste Wochenende in der Theatersaison 2012 und wir konnten es uns natürlich nicht nehmen lassen, alle drei Vorstellungen anzusehen.

„Jung & Young“ haben wir bereits letzten Sommer im Amphitheater Senftenberg gesehen und wussten, dass wir uns auf einen tollen und abwechslungsreichen Abend mit Thomas Rühmann und Rainer Rohloff freuen konnten. Ein Abend voller 'richtiger' und 'falscher' Fassungen von Neil Youngs Songs mit Texten von Gerhard Gundermann, verbunden mit der Geschichte Navid Kermanis aus seinem „Buch der von Neil Young Getöteten“. Auch diesmal waren wir von der leidenschaftlichen Darbietung, der gelungenen Mischung aus Konzert und Erzählung, sowie den großartigen Gitarrensoli gefesselt und begeistert.
Das Bandprojekt zu „Jung & Young“, von dem Thomas Rühmann uns bereits in Senftenberg erzählt hatte, nimmt langsam Gestalt an und wird Anfang August im Theater am Rand zum ersten Mal zu hören und zu sehen sein.

Nachdem wir am Samstag Bad Freienwalde und die Umgebung erkundet hatten, sahen wir dem Konzert der Martin Rühmann Band voller Spannung entgegen. Es war das gleiche Programm wie beim Hafenkonzert in Magdeburg, ergänzt mit ganz neu geschriebenen Liedern wie zum Beispiel das „Bürgerlied“ und „Zwischendeck“. Das Publikum wurde aufgefordert, sich eben diesen warmen Sommerabend am Magdeburger Hafen vorzustellen und sich so in die richtige Stimmung zu versetzen. Durch „Jung & Young“ hatten wir schon einen kleinen Eindruck von Thomas Rühmann als Musiker bekommen, aber hier konnte er nun richtig zeigen, was für ein begnadeter Sänger und Gitarrist in ihm steckt! Thomas und Martin Rühmann harmonierten sehr gut zusammen auf der Bühne. Dennoch gab es für die Brüder genügend Gelegenheiten, ihre Individualität unter Beweis zu stellen. Während bei Thomas Rühmann oftmals seine rockige Seite zum Vorschein kam, beeindruckte Martin Rühmann das Publikum mit leiseren Tönen, die zum Träumen einluden.
Songs wie „Taschenlampe“, „Saskia“, „Schwarzer Engel“ oder der Album-Titelsong „Keine Haie“ wurden mit Highlights einiger Bandmitglieder abgerundet, so zum Beispiel die teils melancholischen, teils kraftvollen Trompetenklänge, die in dem doch relativ kleinen Theater sehr gut zur Geltung kamen. Als besonders mitreißend empfanden wir das Percussion-Solo am Ende des Titels „Feuermann“. Das abgedunkelte Theater (lediglich das Instrument wurde von Lichtstrahlen fixiert) und die kräftigen Klänge der Trommel ergaben eine eindrucksvolle Atmosphäre.
Nach mehreren stimmungsvollen Zugaben, die das Publikum zum Mitmachen bewegten, wurden die acht Musiker mit tosendem Applaus verabschiedet.

Den Sonntag starteten wir mit einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Oder. Am Deich angekommen zeigten sich erste Sonnenstrahlen, die sich im teilweise noch von Eisschollen bedeckten Fluss spiegelten.

Vor der Vorstellung von „Tante Julia und der Kunstschreiber“ hatten wir das große Glück, uns mit Hendrikje Fitz und Thomas Rühmann unterhalten zu können. Frau Fitz erzählte uns unter anderem von ihrem neuen Theaterprojekt in Hamburg, was am 16.03.2012 Premiere feiern wird. (Weitere Infos findet ihr hier)

Zum Abschluss des Treffens entstand dieses schöne Erinnerungsfoto:

Danach war es umso schöner, die beiden zusammen auf der Bühne zu erleben. Leider konnte die Lesung nicht in Originalbesetzung stattfinden, da Holger Daemgen erkrankt war. Glücklicherweise war Jens-Uwe Bogadtke kurzfristig für ihn eingesprungen und meisterte diese Aufgabe hervorragend.
„Tante Julia und der Kunstschreiber“ von Mario Vargas Llosa handelt von dem achtzehnjährigen Peruaner Mario, der sich in seine vierzehn Jahre ältere Tante Julia verliebt. Tante Julia ist eigentlich nach Lima gekommen, um einen neuen Ehemann in ihrem Alter zu finden, heiratet aber schließlich ihren Neffen, was im Peru der fünfziger Jahre als ein Skandal gilt. Der Roman lebt von dem spannungsvollen Wechsel zwischen der Liebesgeschichte Marios und Julias und den Hörspielgeschichten des berühmten bolivianischen Künstlers Pedro Camacho. Die zunächst parallel nebeneinander herlaufenden Handlungsstränge werden immer mehr miteinander verwoben und münden schließlich in ein fulminantes Finale.
Auf wunderbare Weise konnten die drei Schauspieler die verschiedenen Rollen umsetzen und verstanden es, die Handlung mit Hilfe von Sprache, Gestik und Mimik mitreißend zu gestalten. Untermalt und aufgelockert wurde die Lesung von Wolfram Dix mit verschiedenen Percussion-Instrumenten und kurzen musikalischen Einlagen von Thomas Rühmann an der Gitarre.

So endete für uns ein ereignisreiches Wochenende mit großartigen Theatervorstellungen und vielen neuen Eindrücken.
Die weite Anreise - quer durch die Bundesrepublik - hatte sich wieder einmal sehr gelohnt!

© Vanessa, Kathrin und Jeanine, 2012