Ende Gelände

Samstag, 21.11.2015 - Ende Gelände

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Hier ruhen meine Gebeine - ich wünschte, es wären Deine.

Hier liegt Harry Kremse – er stieg auf’s Gas statt auf die Bremse.

 

Ende Gelände.

 

Eine komische, makabre und ebenso nachdenkliche Inszenierung über den Tod, dargeboten von Ute Loeck, Holger Daemgen, Thomas Rühmann und dem Violinisten Thomas Prokein.

Auf wunderbar einfühlsame Weise brachten die drei Schauspieler dem Publikum die besonderen Schicksale verschiedener todkranker Zeitgenossen nahe. Sie trugen von den Kranken selbst verfasste Nachrufe vor, die Christiane zu Salms in ihrem Buch 
"Dieser Mensch war ich" zusammengestellt hat.
Die Sterbenden resümieren ihr Leben, mit allen Höhen und Tiefen, Sorgen und Nöten, 
Hoffnungen und Enttäuschungen - facettenreiche Erzählungen, die nur das Leben "schreiben" kann.

So schlüpfte Ute Loeck beispielsweise in die Rolle einer älteren Dame, die Zeit ihres Lebens nur so vor sich hin gelebt hat. Beruf, Männer, Freunde...nirgends lebte sie das "richtige Leben".
Sie hat Angst vor dem Sterben, und doch lässt sie ihre Krebserkrankung nicht richtig behandeln. Sie lässt noch immer alles einfach laufen, obwohl sie mittlerweile denkt, dass sie mehr aus ihrem Leben hätte machen sollen.
Holger Daemgen las unter anderem den Nachruf eines Homosexuellen, dem kurz vor seinem Tod klar wird, dass er früher hätte zugeben sollen, dass er Männer liebt. Er war jahrzehntelang mit einer Frau verheiratet, die er nicht liebte. Erst nach ihrem Tod konnte er zu seinen Gefühlen stehen und lebt nun mit einem Mann zusammen. Im Angesicht seines eigenen Todes fragt er sich, was wohl passiert wäre, wenn er früher ehrlich zu sich und seinen Mitmenschen gewesen wäre.
Thomas Rühmann trug die Gedanken eines Mannes vor, der sich vor seinem Tode vor allem um das Wohlergehen seiner beiden Söhne sorgt. Sein ältester Sohn tut nichts aus eigenem Antrieb, der jüngere Sohn steht kurz vor dem Schulabschluss. Wer soll den beiden nun alles Wichtige im Leben vermitteln? Er selbst bezeichnet sich als Kämpfernatur, hatte er doch als Selbstständiger immer viel Verantwortung zu tragen. Umso erschrockener ist er nun, wie schnell es jetzt mit seinem Geschäft und seiner Gesundheit bergab geht. 
Das einzige Ziel, das er nun noch hat, ist seinen Söhnen ein Vorbild zu sein.

Alle drei Schauspieler verstanden es, von einer Rolle in die nächste zu schlüpfen und jede Art von Mensch lebhaft zu verkörpern. Als Zuschauer hatte man das Gefühl, tatsächlich viele verschiedene Charaktere vor sich zu sehen. Es wurde deutlich, wie unterschiedlich die Schicksale der einzelnen Menschen sind. Einige denken vor allem über ihr eigenes Leben nach, andere darüber, wie es wohl ohne sie weitergehen wird. Die Fragen, die jedoch alle verbinden sind "Was bleibt von mir auf dieser Erde?", "Habe ich die Chancen, die mir das Leben geboten hat genutzt, oder habe ich immer auf einen geeigneteren Zeitpunkt gewartet und diesen womöglich verpasst?"

Diese nachdenklichen und teilweise sehr traurigen Episoden wurden immer wieder durch zahlreiche lustige und makabre Anekdoten aufgelockert. Beispielsweise erzählten die Akteuere von einem irischen Dichter, der vor Lachen über einen Witz vom Barhocker fiel und sich den Schädel brach. Herzlich gelacht wurde auch über das Schicksal eines Zoowärters, der seinem Elefanten Abführmittel verabreichte und schließlich unter Unmengen von Elefantenkacke erstickte, da er ungeschickterweise direkt hinter dem Tier stand als das Medikament seine Wirkung zeigte.
Ebenso ließ ein Artist die Zuschauer glauben Zeugen eines fulminanten Finales seiner Vorführung zu sein, in dem er von seinem Trampolin geradewegs in das geöffnete Maul eines Nilpferdes katapultiert und verschluckt wurde.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von dem Violinisten Thomas Prokein. Er überzeugte durch große Virtuosität und verstand es, die Stimmungen der vorgetragenen Geschichten einfühlsam mit seiner Geige aufzugreifen. In seinen Improvisationen waren immer wieder bekannte Melodien verschiedenster Genres zu erkennen, beispielsweise zitierte er eine Arie aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, oder den Titel "Memory" aus dem Musical "Cats", der bei den Zuschauern großen Anklang fand und einige kurzzeitig sogar zum Mitsingen animierte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Publikum eine gelungene Mischung an traurigen und nachdenklich stimmenden Geschichten, gleichzeitig jedoch auch lustige und kaum zu glaubende Todesfälle geschildert wurden.
Wenn die Menschen in Zufriedenheit sterben können und wissen, dass sie ihren Familien und Freunden in guter Erinnerung bleiben werden, fällt es ihnen leichter loszulassen und den nahenden Tod zu akzeptieren.
Das Stück "Ende Gelände" verdeutlicht wieder einmal, dass der Tod zum Leben gehört und nicht verdrängt oder gar tabuisiert werden sollte.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass niemand weiß, wann das oftmals viel zu schnelle Ende kommen wird und wir unser Leben im Jetzt und Hier genießen sollten!

 


© Kathrin und Vanessa, 2015