Sugar Man - das bittersüße Märchen des Sixto Rodriguez

18. März 2017
Stadthalle Altenkirchen (Westerwald)


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Detroit. Kapstadt. Altenkirchen. Drei Orte, drei Musiker, und mittendrin die wahre und unglaubliche Geschichte eines außergewöhnlichen Musikers.


Detroit.
Der Wohnort von Sixto Rodriguez, einem 1942 ebenfalls dort geborenen Musikers. "Wer soll das sein?", fragen sich vermutlich viele beim Lesen dieses Namens. Sixto Rodriguez ist nur wenigen ein Begriff. Doch das Thomas Rühmann Trio nimmt seine Zuschauer mit auf eine Reise durch Rodriguez' Leben. Eine Reise, auf der man gebannt den Erzählungen lauscht und nicht selten ungläubig den Kopf schüttelt; eine Reise, begleitet von Rodriguez' Musik, die das Trio als "Falsche Lieder" mit deutschen Texten versehen präsentiert.

Sixto Rodriguez nahm in den 1970er Jahren in Amerika zwei Platten ("Cold Fact" und "Coming from Reality") auf und gab einige Konzerte, jedoch mit mäßigem Erfolg. Zwei Wochen vor Weihnachten 1971 kündigte ihm seine Plattenfirma. Er lebte von dort an in bescheidenen Verhältnissen in Detroit und arbeitete auf dem Bau. Was er jedoch nicht wusste: Irgendjemand hatte eine seiner Platten mit nach Südafrika genommen, wo sich die Musik wie ein Lauffeuer verbreitete. Im Zuge der Apartheid fand die südafrikanische Jugend in Rodriguez' Musik eine Möglichkeit zur Identifikation und zur Rebellion. Rodriguez wurde zum Superstar. Ohne selbst jemals in Südafrika gewesen zu sein, erlangte er dort eine größere Bekanntheit als Elvis Presley und die Rolling Stones, deren Musik dort teilweise zensiert wurde. Da niemand Rodriguez jemals persönlich gesehen hatte, verbreitete sich unter den Fans das Gerücht, Rodriguez sei bereits verstorben. Es waren dramatische Geschichten im Umlauf, er habe sich auf der Bühne erschossen oder sei als Drogensüchtiger im Gefängnis gestorben....     

Kapstadt. Der Ort, an dem die Suche nach der Wahrheit über Rodriguez' Tod begann, die mit einer großen Überraschung endete. Stephen Segerman, ein begeisterter Fan von Rodriguez' Musik, setzte 1994 gemeinsam mit Craig Bartholomew Strydom alles in Bewegung, um herauszufinden, wie Rodriguez wirklich zu Tode kam. Sie versuchten, die frühere Plattenfirma zu kontaktieren, machten Menschen ausfindig, die mit Rodriguez gearbeitet hatten und entwarfen eine Internetseite. Nach drei Jahren der Suche stießen die beiden auf den Produzenten Mike Theodore, der ihnen mitteilte, dass Rodriguez noch lebte und in Detroit wohnte. Diese Nachricht kam für Segerman und Strydom völlig unerwartet. Schon bald entstand durch Rodriguez' Tochter Eva, die zufällig die Internetseite entdeckt hatte, Kontakt zu dem Musiker. Segerman hatte am Telefon endlich die Gelegenheit, ihm von seinem großen Erfolg in Südafrika zu berichten: Mittlerweile hatte seine Platte "Cold Fact" 10 goldene Schallplatten gewonnen! Rodriguez reiste mit seinen Töchtern nach Kapstadt, um dort live aufzutreten. Was ihn dort erwartete, möchten wir nicht vorwegnehmen, sondern überlassen es dem Thomas Rühmann Trio, die Geschichte zu Ende zu erzählen. Eine wahre Geschichte, so unglaublich wie ein Märchen.    

Altenkirchen. Der Ort, an dem wir die Geschichte von Rodriguez zum ersten Mal hören und erleben durften. Thomas Rühmann, Jürgen Ehle und Monika Herold präsentierten ein abwechslungsreiches Programm mit einer Mischung aus Musik und Erzählungen, die spannend und mitreißend, mal fröhlich und mal traurig war. Dem Programm zugrunde liegt der Dokumentarfilm "Searching for Sugar Man", der 2013 mit einem Oscar als "Beste Dokumentation" ausgezeichnet wurde. 
Auch bei diesem Programm stellte Rühmann sein Gespür für die richtigen "falschen" Lieder unter Beweis. So wurden Melodien von Sixto Rodriguez mit sorgfältig ausgewählten deutschen Texten von beispielsweise Hans-Eckardt Wenzel, Wolf Biermann, Peter Hacks und Danny Dziuk versehen. Texte, die verblüffend gut passten, als wären sie eigens für diese Musik verfasst worden.
Thomas Rühmann begeisterte mit seiner kräftigen Stimme, die er sprachlich und sängerisch präsentierte. Die Spielfreude und seine Faszination für die Geschichte und die Musik waren ihm sowohl während der Erzählungen, als auch während des Gitarrenspiels deutlich anzusehen.
Ebenfalls an der Gitarre stellte Jürgen Ehle sein Können unter Beweis. Bekannt aus Bands wie "Pankow" und von der Zusammenarbeit mit der Sängerin Scarlett O' drückte er dem Abend durch sein virtuoses Gitarrenspiel seinen persönlichen Stempel auf. Die sanften Klänge der akustischen Gitarre beeindruckten ebenso wie die kraftvollen und rockigen Passagen auf der E-Gitarre. Während des Konzertes hielt Ehle sich gesanglich im Hintergrund. Erst bei einer der drei Zugaben - einer Nachdichtung des Rodriguez-Songs "Forget it" - griff auch er zum Mikrofon und überzeugte das Publikum durch seine angenehme Stimme.
Neben den beiden Herren stand Monika Herold, eine Musikerin aus Weimar, auf der Bühne. Sowohl am E-Bass, als auch am Kontrabass und am Keyboard zeigte sie ihr Talent. Ergänzend dazu bediente sie verschiedene Percussioninstrumente mit Hilfe selbstgebauter Vorrichtungen mit den Füßen, sodass sie häufig mehrere Instrumente gleichzeitig spielte, was dem Konzert nochmals eine besondere Dynamik gab. Es war beeindruckend, ihr auf der Bühne zuzusehen und zu hören, wie sie jedes einzelne Instrument für sich beherrschte und ebenso alle Instrumente harmonisch vereinte. Zusätzlich zu ihrem Background-Gesang, der bei vielen Songs zu hören war und die Stimme von Thomas Rühmann sehr schön ergänzte und untermalte, stimmte auch sie als Zugabe ein Solo an, bei dem ihre helle und klare Stimme richtig zur Geltung kam und einen Kontrast zu den Männerstimmen bildete.

Der Abend in der recht gut besuchten und gemütlich eingerichteten Stadthalle war vom ersten bis zum letzten Ton sehr kurzweilig und unterhaltsam, so verging die Zeit wie im Fluge.
Der begeisterte und nicht enden wollende Applaus des Altenkirchener Publikums entlockte dem Trio mehrere Zugaben und Thomas Rühmann leitete das letzte Stück, das zweieinhalb Stunden zuvor den Abend eröffnet hatte, mit den Worten ein: "Jetzt müssen wir nochmal von vorne anfangen. Mehr hat Rodriguez nicht geschrieben!"
Die Zuhörer griffen die Wiederholung gerne auf, der Stimmung tat dies keinen Abbruch und so wurden die Musiker schließlich mit dem langen Applaus einen dankbaren Publikums von der Bühne verabschiedet. 

Detroit. Kapstadt. Altenkirchen. Drei Orte, drei Musiker, und mittendrin die wahre und unglaubliche Geschichte eines außergewöhnlichen Musikers.

 


© Kathrin und Vanessa, 2017

SUGAR MAN
Das bittersüße Märchen des Sixto Rodriguez

Eine wahre Geschichte.
In drei Teilen
Detroit. Kapstadt. Berlin.
Trilogie eines Trios.
Wundersamer Stoff. Falsche Songs. Großes Kino.
Gelöst wird das Rätsel um den amerikanischen Songwriter Rodriguez.
Keiner hörte ihn, keiner wollte ihn, keiner kannte ihn,
aber es kamen Tage
voll Wunder und Staunen.

Thomas Rühmann (voc, guit),
Rainer Rohloff (guit, perc), Monika Herold (bass, key, voc)