Erinnerungen

Denn wenn es morgen schon zu Ende wär',
Dann wiegt die Welt nicht ganz so schwer
und jeder Atemzug ist so viel wert,
dann leb ich vielleicht heute nur 'n kleines bisschen mehr.

Dieser Songtext von Roger Cicero hätte das Lebensmotto von  Hendrikje Fitz sein können. Wir erinnern uns an eine fröhliche, aufgeschlossene und lustige Frau, die stets darauf bedacht war, das Leben zu genießen und bis zuletzt auszukosten.

Wenn wir an Hendrikje Fitz denken, bleiben uns vor allem unsere beiden persönlichen Begegnungen mit ihr in Erinnerung.

Das erste Mal trafen wir sie 2009 in Leipzig vor den Studios der "Sachsenklinik". Schon nachmittags konnten wir Hendrikje bei einem Dreh in der Cafeteria beobachten und waren sehr froh, dass an diesem Tag ein Darsteller der Familie Heilmann anwesend war. Abends waren wir pünktlich zu Drehschluss wieder vor Ort und hatten das Glück, dass Hendrikje kurz darauf auch aus dem Gebäude kam. Trotz des langen Drehtages, der hinter ihr lag, nahm sie sich Zeit für uns. Wir plauderten kurz und baten sie um ein Autogramm. Diesen Wunsch erfüllte sie uns gerne und entschuldigte sich, dass sie es sehr eilig hatte und zum Bahnhof musste. Wir waren sehr glücklich, einen unserer Lieblingsdarsteller getroffen zu haben.

Unser Treffen vor den Studios stand natürlich ganz im Zeichen von „In aller Freundschaft“. Der Serie, aus der Hendrikje Fitz nicht mehr wegzudenken ist. Von der ersten Folge an spielte sie die Pia Heilmann – und ohne die Heilmanns wäre die Serie nicht das geworden, was sie heute ist. Hendrikje Fitz führte als Pia Heilmann ein Leben, das gegensätzlich zu ihrem wirklichen Leben war: sie war Ehefrau, Mutter, Großmutter, Stiefmutter. Sie spielte ihre Rolle mit einer solchen Hingabe, dass man nicht das Gefühl hatte, Pia sei nur eine Serienfigur. Hendrikje füllte diese Person mit Leben, so dass man wirklich meinte, sie zu kennen. Die Harmonie, die in ihrem Zusammenspiel mit Thomas Rühmann lag, zeigte den Zuschauern immer wieder aufs Neue, welch enge Freundschaft die beiden auch privat verband. Kaum ein anderes Fernseh-Ehepaar wirkte so vertraut und aufeinander eingespielt, wie die Heilmanns.
Umso schwerer fällt uns nun die Vorstellung, wie es ohne sie weiter gehen wird. Ohne Pia geht der Serie ein ganz wichtiger Bestandteil verloren. Besonders werden uns die lustigen und gefühlvollen Szenen der Familie Heilmann fehlen. So konnte man sich doch immer darauf verlassen, dass Pia und Roland nichts auseinander bringen würde und sie sich trotz aller Schicksalsschläge immer aufeinander verlassen konnten. Pia stand ihren Freunden und ihrer Familie stets liebevoll zur Seite. Sie wird nun eine gewaltige Lücke in der Serie hinterlassen. Wir sind froh und dankbar, dass wir diese Rolle über so viele Jahre begleiten durften, mit ihr lachen, weinen und mitfühlen konnten.
Hendrikje bezeichnete „In aller Freundschaft“ immer als einen Glücksfall. Wir möchten uns hiermit der Saxonia Media anschließen, Hendrikje Fitz war vor allem ein Glücksfall für die Serie und deren Fans!

Zum zweiten Mal trafen wir Hendrikje Fitz in Zollbrücke. Schon lange wollten wir sie mit Thomas Rühmann gemeinsam auf der Bühne erleben. Deswegen besuchten wir die Vorstellung „Tante Julia und der Kunstschreiber“ im Theater am Rand. Der Roman des südamerikanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa wurde von Hendrikje Fitz, Thomas Rühmann, Jens-Uwe Bogadtke (als Ersatz für den erkrankten Holger Daemgen) und dem Musiker Wolfgang Dix als szenische Lesung dargeboten und war von Anfang bis Ende ein Genuss für Augen und Ohren.
Die drei Schauspieler verstanden es auf wunderbare Weise, die verschiedenen Rollen umzusetzen und die Handlung mit Hilfe von Sprache, Gestik und Mimik mitreißend zu gestalten. Auch hier bestätigte sich wieder einmal, wie gut Hendrikje Fitz und Thomas Rühmann als Schauspieler harmonierten – sowohl im Fernsehen, als auch auf der Bühne. Hendrikje auf der Bühne zu sehen, war etwas ganz anderes, kannten wir sie doch bisher nur in ihrer Rolle als Pia Heilmann. Sie hatte die Gabe, uns als Zuschauer zu fesseln und mitzureißen, von einer Rolle in die nächste zu schlüpfen, zahlreiche emotionale Facetten zu zeigen und war rundum eine Bereicherung für das Stück.
Vor der Vorstellung hatten wir die Möglichkeit, uns mit den beiden zu unterhalten. Hendrikje Fitz war uns gegenüber von Anfang an sehr aufgeschlossen. Sie war sich sicher, uns schon einmal gesehen zu haben und begrüßte uns mit den Worten „Ihr macht also unsere Seite?!?“. Das beeindruckte uns sehr und machte uns ein wenig stolz. Wir unterhielten uns locker mit Thomas Rühmann und ihr und sie erzählte uns begeistert von dem Theaterstück „Sei lieb zu meiner Frau“, in dem sie einige Wochen später in Hamburg auf der Bühne zu sehen war. Die Zeit verging wie im Flug und es fühlte sich für uns fast so an, als würden wir Hendrikje schon ewig kennen, so herzlich und offen war sie zu uns. Auch war es schön, Hendrikje und Thomas einmal privat miteinander zu erleben und wir hatten große Freude daran, die beiden bei ihren kleinen Kabbeleien und gemeinsamen Späßen zu beobachten. Hendrikje selbst machte dann auch den Vorschlag, noch ein Gruppenfoto für die Heilmann Fanpage zu machen, worüber wir uns sehr freuten. Leider wurden die Fotos aufgrund der schwierigen Lichtverhältnisse nicht besonders gut, aber wir sind vor allem heute froh und dankbar, diese Bilder zu haben.

Als wir im Sommer 2015 Plätze für eine Vorstellung von 
Ende Gelände im Theater am Rand reservierten, freuten wir uns noch auf ein weiteres Stück und Treffen mit Hendrikje Fitz und Thomas Rühmann, zu dem es dann leider nicht mehr kommen sollte. Einige Wochen später wurde bekannt, dass Hendrikje Fitz ihre Erkrankung nicht - wie zunächst angenommen - überstanden, sondern einen Rückfall erlitten hatte und bei „Ende Gelände“ nicht auftreten konnte. Als nach und nach mehr Einzelheiten ihrer Diagnose in den Medien verbreitet wurden, wurde uns langsam klar, wie schlecht es tatsächlich um sie stand. Diese Nachrichten machten uns natürlich sehr betroffen. Doch Hendrikje zeigte sich weiterhin in der Öffentlichkeit und ging offen mit ihrem Schicksal um. Sie sprach von Patienten, die mit der gleichen Diagnose noch zehn Jahre gelebt haben, sie beendete ihre Drehpause vorzeitig – alles deutete darauf hin, dass es ihr trotz allem gut ging und sie mit ihrer Krankheit gut zurechtkam. Umso härter traf uns dann die plötzliche Nachricht ihres Todes. Hendrikje vermittelte stets unheimlich viel Kraft und einen starken Willen, auch diesmal den Krebs besiegen zu können. Wir hätten es ihr so sehr gewünscht. Es ist schwer, zu begreifen, warum eine so lebensbejahende Person einfach mitten aus dem Leben gerissen wird. Diese Lebensfreude und die bewundernswerte Gabe, ihr Schicksal anzunehmen und zu akzeptieren,  kann ihren Angehörigen und Freunden in dieser schweren Zeit vielleicht ein kleiner Trost sein. Sie hat stets versucht, anderen Betroffenen Mut zu machen, zu zeigen, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben. Dass es sich lohnt, sich von seinem Schicksal nicht unterkriegen zu lassen. Dass es sich lohnt, das Leben zu genießen, so lange es geht.


Denn wenn es morgen schon zu Ende wär',
Dann wiegt die Welt nicht ganz so schwer
und jeder Atemzug ist so viel wert,
dann leb ich vielleicht heute nur 'n kleines bisschen mehr.

                                                                                  © Vanessa und Kathrin, 2016

Traueranzeige aus der Leipziger Volkszeitung vom 23. April 2016